Der frühe Vogel fängt den Wurm

Wenn es däm­mert und Mor­gen wird, sind die Vögel schon bereits auf und zwit­schern im Vogel­ge­sang. Da ver­wun­dert es auch nicht, wenn sie schon früh auf Nah­rungs­su­che sind und den ers­ten Wurm fan­gen. Ja, der frü­he Vogel fängt den Wurm. Und der frü­he Leser kennt die Bedeu­tung die­ser Rede­wen­dung.

Wir alle sagen immer, dass der frü­he Vogel bekannt­lich den Wurm fängt. Und das stimmt auch. Es ist eine natür­li­che Tat­sa­che eines Vogels, der früh­zei­tig auf Nah­rungs­su­che ist, dass er der ers­ten Wurm fin­det. Aber unbe­ach­tet die­ser Tat­sa­che ken­nen wir auch die sinn­ge­mä­ße Bedeu­tung jener Rede­wen­dung, obwohl wir nicht ein­mal nach der Her­kunft die­ser Rede­wen­dung geforscht haben. Die sinn­ge­mä­ße Bedeu­tung die­ser Rede­wen­dung ist, dass der Ers­ter als Ers­ter etwas vom Kuchen abbe­kommt. Je frü­her man sich um eine Sache bemüht, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit des Gelin­gens. (Man soll­te den­noch mit Bedacht und Umsicht vor­ge­hen und nicht zu schnell und unüber­legt han­deln.)

Gleich­be­deu­ten­de und sinn­ge­mäß ähn­li­che Rede­wen­dun­gen sind z. B. Mor­gen­stund‘ hat Gold im Mund.“ oder Wer zu erst kommt, mahlt zuerst.“

Im Eng­li­schen heißt die­se Rede­wen­dung The ear­ly bird cat­ches the worm“. Und aus dem Eng­li­schen kommt die­se Rede­wen­dung auch her. Obwohl viel­fach als Quel­le das Buch A collec­tion of Eng­lish pro­verbs“ von John Ray aus dem Jahr 1670 ange­ge­ben wird, exis­tiert eine noch frü­he­re Quel­le. Sie stammt aus dem Buch Remai­nes Con­cer­ning Bri­tai­ne“ von Wil­liam Cam­den aus dem Jahr 1636. Dort ist die Rede­wen­dung Teil eines Witz. In die­sem Witz ver­sucht der Vater am Mor­gen sei­nen Sohn aus dem Bett zu wecken, der noch schläft. Der Vater sagt: The ear­ly bird cat­ches the worm.“ (= Der frü­he Vogel fängt den Wurm.) Dar­auf ant­wor­tet der Sohn: Being ear­ly didn’t do the worm much good, did it?“ (= Früh dran sein macht den Wurm auch nicht viel bes­ser, oder?)

Man erkennt, dass die Bedeu­tung die­ser Rede­wen­dung schon im Mit­tel­al­ter sehr bekannt war und sie sich über die Jahr­hun­dert nicht ver­än­der­te.

Quel­le des Bilds: Fran­ziH /​ pixelio​.de (ein treff­li­ches Bild)

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